Display | Dispositiv. Ästhetische Ordnungen

Internationale Konferenz, 10.–12. Mai 2012, Universität zu Köln
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Displays formieren das Betrachten neu: Sie bringen Bildfelder und Rahmungen in Konstellation und koordinieren einzelne Aktionsebenen auf einer Benutzeroberfläche. Als ästhetische Anordnungen werden sie im Raum wirksam. Displays schließen an Praktiken des Ausstellens an, da sie zugleich die bilderzeugenden Apparaturen selbst zur Anschauung bringen. Dispositive konstituieren apparative Gefüge (Kino) wie auch die mit ihnen verbundenen Wahrnehmungsmodelle. Dabei geben sie seismographisch Aufschluss über sichtbare mediale Umbrüche sowie verdeckte Ordnungen von Macht und Gesellschaft.

Die Internationale Konferenz DISPLAY | DISPOSITIV. ÄSTHETISCHE ORDNUNGEN setzt als Leitfigur zwei derzeit intensiv, aber meist getrennt diskutierte Begriffsfelder in Beziehung. In einem breit gesteckten Bezugsrahmen wurden hiermit Ergebnisse des DFG-Forschungsprojekts Reflexionsräume kinematographischer Ästhetik in einem Kreis von Expertinnen und Experten zur Diskussion gestellt. Das Zusammenspiel von Display und Dispositiv ist für Kinematographische Installationen und ihre spezifische Ästhetik prägend. Sie zeigen exemplarisch auf, wie sich verräumlichte Bewegtbild-Projektionen und ihre multiplen Screens mit den rahmenden Bedingungen des Ausstellens verschränken.

Inwieweit können die im Poststrukturalismus, in Medienwissenschaft und Curatorial Studies vorgeprägten Begriffe solche Anordnungen der künstlerischen Bewegtbild-Installationen und ihre Wirkungsästhetik aufschlüsseln helfen? In welcher Weise ordnen sich die wesentlich auf dem Dispositiv des Kinos und vorangegangener Bildprojektionen basierten Elemente von (Bewegt)Bildern, Leinwand, Projektor und Betrachtersubjekt mit dem werkkonstitutiven Ausstellungs-Display neu? Als frei durch den Raum flottierende Projektionen beginnen sich die Bilder oftmals von der sonst zentrierten Leinwand zu lösen und verwandeln die umgebende Architektur in Screens und transparente Oberflächen. Parallel entkoppeln sich kleinformatige, mobile Displays von ihrer fixen Verortung und transformieren als ständige Begleiter den Betrachter zum mobilen User. Beide Entwicklungen lassen neue ästhetische Ordnungen entstehen und rücken die kinematographische Installation in eine erweiterte transmediale und (trans)kulturelle Perspektive: Denn in der Konvergenz von Projektion, Installation und Ausstellung geht das neu geschaffene Dispositiv über einzelne Medien hinaus. Es berührt zugleich die in den Cultural und Gender Studies diskutierten Verbindungen von Apparatur, Körper und kultureller Formation, zumal die Betrachtung performative und dramatisierende Aspekte hinzugewinnt. Künstlerische Bewegtbild-Installationen überlagern und rekonfigurieren die sonst getrennten, räumlich reglementierten Dispositive des Betrachtens im Museum, im Kino wie auch im Fernsehen durch die Verschleifung räumlicher und medialer Grenzen. Inwiefern werden hiermit flexible architektonische Strukturen der Zuschauerschaft geschaffen, die den Betrachter in neuer Weise als Kollektiv adressieren? Die Sektionen der Tagung widmeten sich den verschiedenen Aspekten dieses räumlich- medialen Gefüges: Für die erste Sektion stellte sich die Frage nach Still- und Bewegtbildern: Insbesondere die Fokussierung auf das arretierte Bild erlaubt anhand von Zwischenformen wie Diainstallation und Fotofilm, die Wirkungsästhetiken des Fotografischen wie Kinematischen zu reflektieren. Die zweite Sektion untersuchte museale Displays sowie die Ausprägungen der unterschiedlichen ästhetischen wie strukturellen Übergänge zwischen Werk, Betrachter und Anordnung: In welcher Weise wirken hier die oftmals verborgen waltenden Dispositive der Institution nach? Das Phänomen der Staffelung und Schachtelung architektonischer, formaler, filmischer und institutioneller Rahmungen und ihrer Ästhetik fokussierte die dritte Sektion mit Display | Rahmungen. Die vierte Sektion beleuchtete das Verhältnis von Architektur und Screen, die das Dispositiv der Projektion mit architektonischen Ausstellungsdisplays konvergieren lässt: Wie fügt sich das in Kameramedien fortwirkende klassische Modell vom Bild als offenem, aber gerahmten Fenster in eine polyfokale Anordnung von Mehrfach-Projektionen ein, die einen diskontinuierlichen, aber dennoch oft immersiven Bilderraum erzeugen? Wo zeigt die Fotografie sich ihrerseits als Projektionskunst und verfügt dementsprechend über Ansätze zur Verräumlichung? Mit dem Verhältnis von bewegtem Betrachter und Dispositiv befasste sich die fünfte Sektion: Die virtuelle Bewegung des filmischen Blicks findet ihr Pendant in der physischen Bewegung durch ein installiertes Raumgefüge mobiler Bilder. Der Betrachter avanciert so zur Schnittstelle dynamisierter Bildräume. Notationsformen des Filmischen stellten das Thema der sechsten Sektion dar und damit die Frage nach dem Text-Bild- Verhältnis, den Verwebungen narrativer und auditiver Strukturen. Lassen sich basale Strukturen in diesen alternativen Formen des Films ebenso wie in Foto-Text-Arbeiten finden anhand von Skript und Storyboard? Die siebte und letzte Sektion richtete ihre Aufmerksamkeit auf ästhetische Ordnungen und die Überlegung, wie sich die erweiterte Perspektive des Display | Dispositiv-Begriffs als eminent kulturelle und die eigene Produktion reflektierende Instanz artikuliert.

Sammelband zur Konferenz, Bibliographische Daten:
Ursula Frohne, Lilian Haberer, Annette Urban (Hrsg.):
Display | Dispositiv. Ästhetische Ordnungen
erscheint beim Fink Verlag im Sommer 2015, ca. 400 Seiten
Festeinband, ca. € 54
ISBN 978-3-7705-5634-2